Das auffälligste Merkmal bei Bestattungen der Frühzeit ist die Beigabe von
Waffen. Das Beigabenverhalten erfolgte in der Regel in festen Kombinationen, die meist auch mit der sonstigen Reichhaltigkeit des
Inventars in Beziehung stehen. Man geht davon aus, daß mit der Beigabensitte, je nach Region und Zeit, gesellschaftliche Stellungen
über den Tod hinaus zum Ausdruck gebracht werden sollten.
Der höher gestellte Krieger trug, nach Überlieferungen zu urteilen,
Spatha, Sax und Lanze.
Weitere Waffen waren Bogen und Axt. Zu den Schutzwaffen zählen Schild, Helm (sofern vorhanden) und in wenigen Grabfunden
Panzer/ Kettenhemd.
"Eure brüderliche Liebe hat mir Schwerter und Hiebwaffen als Geschenk übermacht, deren Eisen köstlicher ist wie Gold. Ihre
polierte Klinge
glänzt so helle, dass es im Anschauen das treue Spiegelbild des Gesichtes zurückwirft und ihre Spiegel sind von oben bis unten
sogleichmäßig, dass sie nicht aus Streifen zusammengesetzt, sondern wie aus einem Schmelzofen geflossen zu sein scheinen. In dem
mittleren Teil erscheinen schöne Vertiefungen wie kräuselndes Gewürm und es zeigen sich so mannigfache Schattierungen, dass man glauben
möchte, es sei das glänzende Metall mit verschiedenerlei Farben durchwebt."
Dankschreiben Theoderichs des Großen an seinen Schwager den Vandalenkönig Thrassamund
Die Spatha
Die Spatha, das zweischneidige Langschwert, ist die höchstrangige Waffe ihrer Zeit. Die Form änderte sich über die Jahrhunderte kaum. Einzuordenen ist sie
nur über vorhandenen Zierat der Scheide und den Parierstangen mit Endknäufen.
Das Führen der Waffe erfolgte mit nur einer Hand.
Für die Spatha wurde ein eigenes Wehrgehänge verwendet, das nur bei Kampfbereitschaft angelegt wurde. Sonst wurde der Gurt um die Scheide gewickelt und die Spatha als
Zeichen der Würde in der Hand getragen. So wurde sie auch ins Grab gelegt.
Das Wehrgehänge unterlag einem ständigen Veränderungprozeß.
In den reichen Gräbern der frühen Merowingerzeit wurden besondere Schwerter gefunden:
Goldgriffspathas (Griff mit Blattgold belegt, ca. 480-520 n.Chr.) und in der folgenden Zeitperiode
Spathas mit "Schauseiten" an den Parieren (einseitig sichtbaren Zellen mit Edelsteineinlagen, siehe Planig).
Bild rechts und unten:
Meine Spatha mit trapezoidem Bronzeknauf (zeitliches Auftreten ca. 520-650 n.Chr.)
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Schwerter mit Goldgriffen und Schauseiten waren Prunkschwerter, und wurden als Statussymbol getragen. Sie unterstrichen den Rang des Trägers.
Viele Klingen besaßen eine sog. damaszierte Klinge, d.h. die Mittelbahn zwischen den Schneiden wurde in einem komplizierten
Schmiedeverfahren aus unterschiedlich harten Stahlschichten hergestellt.
Bild oben links:
Mein Prunkschwert von Planig mit damaszierter Klinge und "Schauseiten" an den Parieren (Original 520 n.Chr./ Rekonstruktion 2004)
Bild oben rechts:
Mein Schwert aus München-Englschalking mit silbertauschierten Parieren, zeitliche Einteilung laut Wissenschaft variabel 1. bis 3. Drittel 7.Jh (Rekonstruktion 2005)
"Am Knauf ist ein Ring,
in der Klinge Mut,
die Schneide schafft
Schrecken dem Träger;
auf dem Blatte ruht
ein blutiger Wurm,
eine Natter ringelt
am Rücken sich."
Beschreibung der einzelnen Schwertteile
in der Edda von Helgi Hjordvardsson
Bild oben links:
Original der Spatha aus Schretzheim Grab 79 Dillingen/ Bayern (zwischen 580 und 620 n.Chr.) mit Runentauschierung in damaszierter Klinge (Bildquelle: Die Alamannen, Theiss Verlag)
Bild oben rechts:
Meine Spatha Schretzheim Grab 79 mit Runentauschierung in damaszierter Klinge (Rekonstruktion 2009)
| Spatha aus Snartemo Grab 5 (Norwegen um 500 n.Chr.)
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| links: Meine Ringknaufspatha, Sax und Schilddornschnalle aus dem Grab 61 "Wünnenberg-Fürstenberg" (Original 3.Drittel 6.Jh; Rekonstruktion 2006)
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Bild rechts:
Meine Spatha "Trezzo sull`Adda 1" (langobardisch), Italien, mit Muster im Tierstiel II (Original ca.580 -620 n.Chr.; Rekonstruktion 2007)
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Die Beiwaffen
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oben: Die Franziska (Wurfaxt) war eine beliebte Waffe, besonders bei den Franken und Alamannen. Neben ihr wurde auch die Bartaxt eingesetzt.
unten: Die am häufigsten vertretene Waffe war der Sax, ein einschneidiges Kurzschwert, das sich über die Merowingerzeit von einem Kampfmesser
zu einer schweren Hiebwaffe im Spathaformat wandelte. Der Sax wurde am Leibgurt getragen und kann eigentlich zur Tracht gezählt werden.
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| von links nach rechts:
Franziska (silber-messingtauschiert), Lanze (damasziert), schwerer Breitsax, kurzer Breitsax |
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Gewölbter Schild mit typischen Schildbuckel. Der Schildbuckel mit versilberten Nieten gehört zu dem Grab von Planig.
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links: Der Ango ist eine typische fränkische Waffe. Sie ähnelt mit dem harpunenartigen Aussehen dem römischen
Pilum. Der extrem lange metallene Schaft konnte nach dem Auftreffen nicht abgeschlagen werden.
rechts: Eine Variante des Ger (germanisch für Speer) - er ist nur mannshoch und wurde wahrscheinlich auch als Stoßwaffe im
Nahkampf verwendet. Der Schaft ist hier mit Tauschierarbeiten versehen. Das Blatt besteht aus Damast. |
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Lamellenhelm/ -panzer
Neben den Prunkhelmen der Merowinger wurde noch eine andere Art von Helm gefunden - der Lamellenhelm.
Seine Herkunft ist für den zentralasiatischen Raum belegt. Die leichte Konstruktion war im Reiterkampf
vorteilhafter als die starren byzantinischen Spangenhelme. Die Datierung fällt auf die Zeit des
Langobardenkönig Agilulf (591-616). Auf der vergoldeten Stirnplatte des Lamellenhelmes aus Val di Nievole
(Prov. Luca) sieht man den König mit zwei Kriegern in Lamellenrüstung.
Einer der bekanntesten Funde stammt aus Niederstotzingen Grab 12.
Zu den Helmen gab es auch vielerorts verschiedene Ausführungen von Lamellenpanzer. Helm und Panzer
bestehen aus stabilen Stahlplatten, die mit Lederbändern verbunden sind. Diese Bauart ermöglicht eine
Verformung der Panzer bei Pfeilbeschuß oder Treffern anderer Waffen. Die Aufprallwucht wird somit abgeschwächt -
Pfeile konnten so selten den Panzer durchdringen.
Bilder oben:
Links sieht man die Stirnplatte aus Val di Nievole (Bildqelle: Die Alamannen, Theis Verlag), rechts den Lamellenhelm und eine Panzervariante (späteres Zeitalter).
Der Panzer aus dem Grab Niederstotzingen 12 war im Vergleich dazu noch in den einzelnen Reihen beweglich (vorteilhafter auf dem Pferd),
und hatte noch Oberschenkelschützer.