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Spuren der Vergangenheit


Schmuck nach archäologischen Funden


Frauenschmuck:


In der frühen Merowingerzeit (450 - 600 n.Chr.) unterschieden sich die germanischen Frauen von den Bewohnerinnen der römischen Provinzen deutlich. Reicher Fiebelschmuck und die vielfältigen Gehänge der Merowinger waren für die Romanen* ungewohnt, und galten als barbarisch. In Anbetracht der kunstvollen Gestaltung des Schmuckes ist die Bezeichnung "barbarisch" in der heutigen Zeit nicht mehr angebracht. Im Zuge der Christianisierung änderte sich die Tracht im 7.Jh grundlegend. Die Tracht ist in den Grabfunden am Ende dieser Entwicklungszeit meist nicht mehr von der romanischen Kleidung zu unterscheiden.
*= Nachfahren der römerzeitlichen Provinzbevölkerung

Die Schmuckstücke werden hier nicht in einem kompletten Zusammenhang vorgestellt.



Fibeln





 Typisch für die frühe Merowingerzeit war die Vierfibeltracht. Zwei kleine Fibeln wurden im oberen Hals- bzw. Brustbereich, zwei große im Beckenbereich, getragen. Meist bestanden sie aus vergoldetem Silber, teils mit Kerbschnittzier. Oft waren auch Edelsteineinlagen (z.B.Almandin) üblich.
Linker Stein: bajuwarische Vogelfibeln - Straubing; Wolfsfibel -Andernach -> beides Almandineinlagen
rechter Stein: s-förmige Fibeln - in Bayern z.B. Straubing, Waging am See aber auch viele andere Fundorte
links unten: Silberne Fibel, Pannonien
rechts unten: kerbschnittverzierte Fibeln mit Spiralhakendekor, Typus Cernín-Slapanice-Mistrín-Tasov (donauländisch, Mähren)


Bilder unten:
links: Fibeln aus dem Grab 773 (Altenerding /Bayern)
rechts: Bügelfibel aus Pleidelsheim und kleine Fibel mit Alamandineinlage (Funde dieser Art gibt es in vielen Regionen)


Fibeln aus den Grabdarstellungen meiner Lebensgefährtin Alice:
von links nach rechts: Altenerding 558 (bajuwarisch), Linz-Zizlau 139 (langobardisch), Aubing 756 (bajuwarisch):





Zierrat





Eine Besonderheit bilden die teils komplexen Ziergehänge der Frauen.
Gebrauchsuntensilien wie Beutel, Messer, Kamm, Webschwerter, Schere trugen die Frauen seitlich am Gürtel. Die Verteilerriemen waren mit Amuletten bestückt. Diese Zierelemente spiegeln eindeutig vorchristliche Inhalte wieder (oft noch nach der Christianisierung belegt). Mannigfaltig sind in den Gräbern Meeresmuscheln, Donarskeulen (Horn/ Knochen), eingefaßte Edelsteine (z.B. Kristalle), Glasperlen, Wirtel, Durchbruchscheiben, Tierklauen/-zähne, Bernsteine....., vertreten.




Manchmal wurde zweites Ziergehänge mittig getragen. Die wohlhabenden Frauen stellten auch hier Ihren Rang zur Schau. In solchen Gräbern fand man Zierbleche aus Silber (teils vergoldet) und besonders wertvolle Amulette. Diese unterschieden sich je nach Region. Auf dem Bild sieht man mein Replikat der Perle aus dem Kölner Frauengrab (Kölner Dom). Dieses Grab zählt zu den reichsten der Merowingerzeit.

Schlüssel als Bestandteil der Gürtelgehänge der Frauen in manchen Grabfunden.
Die Schlüsselgewalt gilt als Zeichen des Standes und die Frau ist gleichzeitig Hüterin
des wertvollen Besitzes des jeweiligen Hauses.




Ringe





"Was dünkt dich, riet die Frau,
da sie uns den Ring sandte,
umwunden mit Wolfshaar?
Mich dünkt, daß sie Warnung bot!
Des Heidegängers Haar fand ich haften am Goldring:
wölfisch wird der Weg uns zur Wohnung Atlis."


Heldenlieder der Edda - Ausschnitt aus dem Atlilied






Funde von Fingerringen kommen selten in den merowingerzeitlichen Gräbern vor.
Links:
Replikat des Ringes der "Dame von Mahlberg" (alamannisch 480-510 n.Chr.)
Rechts:
Männerringe sind Raritäten . Hier sehen Sie einen Ring aus Strachotín - Mähren/ Tschechien
(450-500 n.Chr., hunnische Provenienz)

Beide Ringe sind mit Almandinen bestückt und mit waffelartigem Goldzellwerk unterlegt.






Männerschmuck:


Bei Männern sind die Schmuckfunde eher ernüchternd. Lediglich der Gürtel unterlag einem modischen Wandel. Sieht man von dem eigentlichen Zweck der Bewaffnung ab, könnte man so manch prunkvoll verziertes Stück als "Schmuck" des Mannes bezeichnen. In der heutigen Zeit spricht man dabei gerne von Statussymbolen (siehe Punkt "Waffen"). In wenigen Männergräbern wurden Fingerringe gefunden. Noch seltener war Halsschmuck.

Bei den Männern war der Gürtel der einzige Kleidungsbestandteil der einer modischen Entwicklung unterlag.
Auf den Bildern sehen Sie eine Auswahl meiner Gürtel verschiedener merowingischer Zeitepochen.


Breite Männergürtel kamen grob um 600 n.Chr. in Mode.
Von unten links im Uhrzeigersinn:
Picardie, Altenerding 406, Pähl 49, Sontheim 153



Schwertperle:
In manchen Grabbestattungen wurden bei den Schwertern Schwertperlen gefunden. Diese kann man als Amulette/ Talismänner mit kultischem Hintergrund interpretieren. Die Perlen bestanden aus unterschiedlichen Materialien wie Glas, Ton, Horn/ Bein, Bernstein, Meerschaum und Mineralien (z.B. Chalcedon). Oft wurde an den Perlen noch Platten mit Zellwerk, oder kleine Nieten aus Silber, Gold oder Bronze kombiniert. Die Schwertperle war entweder am Griff oder an der Scheide angebracht. Auf den folgenden Bildern sehen Sie Beispiele meiner Schwertperlen aus Chalcedon in konischer Ausführung und mit Goldplatte mit Zellwerk und Alamandineinlage.






allgemeiner Zierrat


Alltagsgegenstände wie Messer und Kämme gehören zu den Trachbestandteilen beider Geschlechter und können auch, durch die meist prunkvolle Verzierung, in der Sparte Schmuck gelistet werden.
Bild links: verschiedene Kämme aus Rinderbein mit verschiedenen Ziermustern
Bild rechts: mein Messer, damasziert mit Edelholzgriff und Kreisaugenzier, und das Messer von Alice, damasziert mit Beingriff, Edelholz und Kreisaugen-/ Strichzier





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